13/09/2021
Lichtenberg gegen riesige PV-Anlage
"Auch der Lichtenberger Stadtrat hat Bedenken gegenüber dem Projekt in Issigau geäußert. Das
Gremium fürchtet um den touristischen Wert der Landschaft.
Lichtenberg - Nach der Stadt Naila hat nun auch der Lichtenberger Stadtrat einstimmig und ohne Diskussion
gegen die geplante Photovoltaikanlage gestimmt, die auf einer Bruttofläche von 86,2 Hektar zwischen den
Issigauer Ortsteilen Reitzenstein und Issigau entstehen soll. Das Veto legte das Gremium ein gegen die
Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplanes mit integriertem Vorhaben- und Erschließungsplan
„Solarpark Issigau Reitzenstein“. Wie mehrmals berichtet, möchte die Gemeinde Issigau mit der Firma Münch
aus Rugendorf und dem lokalen Investor, der Gutsverwaltung Reitzenstein mit Baron Constantin von
Reitzenstein, die größte Freiflächen-Fotovoltaikanlage in Bayern errichten.
Doch der Widerstand nimmt zu. Nicht nur aus den umliegenden Gemeinden kommen bei der Anhörung der
Träger öffentlicher Belange Vetos, auch die Ferienregion Selbitztal-Döbraberg mit ihren Mitgliedsgemeinden
hat Bedenken geäußert. „Wir haben aus Sicht von Tourismus und Wanderregion unsere Bedenken in einer
Stellungnahme dargelegt und darauf hingewiesen, dass unserer Meinung nach an vorbelasteten Flächen wie
etwa links und rechts von Autobahnen noch genügend Potenzial für PV-Anlagen vorhanden ist“, erläutert der
Köditzer Bürgermeister Matthias Beyer, der aktuell den Vorsitz innehat. Zudem strebt die Initiative
„Photovoltaik mit Augenmaß“ ein Bürgerbegehren an.
Im Stadtrat Lichtenberg verlas Bürgermeister Kristan von Waldenfels eine Stellungnahme, die keine
Aussprache mehr nach sich zog. Er versicherte, dass der Lichtenberger Stadtrat die Energiewende, also den
raschen Ausbau der erneuerbaren Energien in Deutschland, begrüße, und diese als einen zentralen Bestandteil
der Zukunftssicherung des Landes betrachte. „Aber gerade weil der Lichtenberger Stadtrat die Energiewende
als ein solch vordringliches Vorhaben ansieht, hält er einen breiten gesellschaftlichen Konsens bei ihrer
Umsetzung für zwingend notwendig. Und nur wenn hier die Belange möglichst weiter Teile der Bevölkerung
berücksichtigt werden, können entsprechende gesellschaftliche Konflikte vermieden werden“, erläuterte der
Bürgermeister. Wo das nicht geschehe, wie zum Beispiel im Zusammenhang mit der Windkraft, könne die
Energiewende ins Stocken geraten, da der Widerstand innerhalb der Bevölkerung zu groß werde. „Vor diesem
Hintergrund sieht der Lichtenberger Stadtrat vor allem die Belange des Landschaftsschutzes und des
Tourismus als nicht berücksichtigt an und gerade für eine Stadt wie Lichtenberg, die ihre Zukunft im
Tourismus sieht, ist das hoch problematisch“, betonte von Waldenfels. Im Einzelnen:
• Die Anlage soll am sogenannten Frankenwaldblick errichtet werden, einem der markantesten
Aussichtspunkte des Frankenwaldes.
• Zugleich wird man die Paneelen von überall her im Umkreis sehen, von Bad Steben, Gerlas, Marxgrün oder
der Frankenwarte in Hirschberglein. Lichtenberg wird im Bereich seiner Burgruine besonders betroffen sein.
• Touristisch bedenklich ist auch, dass der bereits bestehende Fränkische Gebirgsweg, eine mit Prädikat
ausgezeichnete Route des Wandernetzwerkes „Wanderbares Deutschland“, mitten durch die geplante Anlage
führen würde.
• Die Anlage soll mit über 70 Hektar die größte ihrer Art in Bayern werden. Sie wird die bebaute Fläche von
Issigau oder auch Lichtenberg deutlich übertreffen. Ein landschaftsfremdes Objekt dieser Größe und dieser
Lage wird das Landschaftserleben empfindlich stören.
Darüber hinaus führte Kristan von Waldenfels aus, dass die Fraunhofer Gesellschaft die Flächen erfasst habe,
die in Deutschland aufgrund ihrer Lage für Fotovoltaik in Frage kommen und gleichzeitig bereits versiegelt
oder so beeinträchtigt sind, dass eine landwirtschaftliche Nutzung nicht möglich oder sinnvoll ist: rund 285
000 Hektar. Das beinhalte Dachflächen, die Streifen beidseitig von Autobahnen und Bahngleisen, ehemalige
Mülldeponien oder Braunkohlegebiete.
„Davon wurden im Jahr 2020 für Fotovoltaik deutschlandweit lediglich rund 17 Prozent genutzt“, betonte von
Waldenfels. „Der Lichtenberger Stadtrat plädiert dringend dafür, die noch brachliegenden mehr als 80 Prozent
zu nutzen, ehe man durch Anlagen wie die in Issigau geplante dem touristischen Nutzen unserer Region
schweren Schaden zufügt“, führte der Bürgermeister aus."
(c) Frankenpost