17/05/2026
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Kulturgeschichtliche Streiflichter - Zeppelin
Am 12. Juli 1931 richteten sich die Blicke ganz Wiens und des Marchfeldes gen Himmel: Das berühmte Luftschiff „Graf Zeppelin“ mit der Luftschiffnummer D-LZ 127 näherte sich im Landeanflug über Groß-Enzersdorf dem Flugfeld Aspern. In der Nähe des Wiener Tores bot sich den Bewohnerinnen und Bewohnern ein spektakulärer Anblick, als das riesige Luftschiff majestätisch über die Stadt glitt. Viele Groß-Enzersdorfer hielten diesen besonderen Moment fotografisch fest und bewahrten damit ein eindrucksvolles Zeugnis einer Zeit, in der Zeppeline als technische Wunderwerke und als Könige der Lüfte galten.
In den Zwischenkriegsjahren erlebten die Zeppeline ihre große Blütezeit. Sie standen für Fortschritt, Eleganz und die Faszination des modernen Reisens. Die Landung des „Graf Zeppelin“ in Wien wurde daher zu einem gesellschaftlichen Großereignis, das rund 100.000 Zuschauerinnen und Zuschauer anzog. Bereits in der Nacht zuvor hatten zahlreiche Wienerinnen und Wiener rund um das Gelände des Flugfeldes Aspern campiert, um sich die besten Plätze zu sichern. Die Zeitungen berichteten ausführlich über das bevorstehende Ereignis und gaben genaue Hinweise, wie man mit Straßenbahn, Autobus oder den eigens eingerichteten Sonderzügen der Ostbahn zum Flugfeld gelangen konnte.
Auch organisatorisch war das Ereignis eine logistische Meisterleistung. 300 Soldaten des Bundesheeres wurden zur Sicherung des Luftschiffes am Boden eingesetzt. Für das Publikum standen Zuschauerplätze zu Preisen von einem, zwei, fünf und sogar 20 Schilling zur Verfügung. Die Sommerhitze erreichte bis zu 31 Grad, weshalb für die Versorgung der Menschenmengen umfangreiche Vorbereitungen getroffen wurden: Das Flughafenrestaurant stellte 30.000 Flaschen Bier, 30.000 Liter Fassbier, 20.000 antialkoholische Getränke, 2.000 Kilogramm Wurstwaren und zwei Zentner Gulaschfleisch bereit. Zusätzlich sorgten zahlreiche provisorische Buschenschanken sowie mobile Händler mit Eis, Gurken und Andenken für das leibliche Wohl der Schaulustigen.
Als das Luftschiff gegen 8.15 Uhr am Flugplatz eintraf, wurde es von prominenten Ehrengästen empfangen. Unter ihnen befanden sich Bundespräsident Wilhelm Miklas, Bundeskanzler Karl Buresch, der Wiener Vizebürgermeister Georg Emmerling sowie zahlreiche Minister und Vertreter des öffentlichen Lebens. Die mediale Aufmerksamkeit war enorm: Die Selenophon-Tonfilmschau Austria dokumentierte das Massenspektakel in einer eindrucksvollen Reportage und machte das Ereignis auch weit über Wien hinaus bekannt.
Nach dem Zwischenstopp in Aspern startete der „Graf Zeppelin“ zu einem Rundflug über weite Teile Österreichs, an dem zahlreiche prominente Gäste an Bord teilnahmen. Gegen 18 Uhr kehrte das Luftschiff nochmals nach Aspern zurück und blieb dort für etwas mehr als eine Stunde.
Für viele Menschen blieb dieser Tag unvergesslich – nicht nur wegen der technischen Sensation, sondern auch wegen des Gefühls, Zeugin oder Zeuge eines historischen Augenblicks geworden zu sein. Der Überflug über Groß-Enzersdorf war dabei ein ganz besonderer Moment, der bis heute als kulturgeschichtliches Streiflicht an die große Zeit der Luftschiffe erinnert.
Foto © Topothek Groß-Enzersdorf
Unsere Streiflichter sind auch auf www.heimatverein-grossenzersdorf.at/unserestadt/allgemein nachzulesen 🙂