25/04/2021
[English below]
Erst kürzlich habe ich eine Interpretation von Pfeilen des 14. Jahrhunderts vorgestellt. Hier folgt der zweite Teil (inklusive älterer Bilder). Bei dem Text hat sich nicht viel verändert, nur eine Anmerkung füge ich noch hinzu: es handelt sich hier NICHT um Mary Rose Pfeile.
Pfeile des 14. Jahrhunderts zu rekonstruieren erweist sich als schwierig, da wir keine archäologischen Funde besitzen, schriftliche Quellen schweigen und auch historische Abbildungen wenig Aussagekraft besitzen. Die einzige Ausnahme stellt das Wilton-Diptychon dar, das zur Jahrhundertwende entstand. Daher tappen wir im Dunkeln, wie Pfeile im 14. Jahrhundert ausgesehen haben und welche Materialien und Rohstoffen verwendet wurden. Regionale Unterschiede erlaubt es zudem nicht, eine „Art“ Pfeil zu generalisieren.
Für die folgende Interpretation orientiere ich mich also an den Informationen vor und nach dem 14. Jahrhundert. Für den Schaft eignet sich eine Fülle unterschiedlicher Hölzer, im vorliegenden Fall handelt es sich um barrelled Pappelschäfte. Die Spitzen (von Hector Cole) sind ebenso variabel, hierzu gibt es zahlreiche archäologisch gesicherte Optionen.
Die größte Ungewissheit besteht bei der Befiederung. Während Gänsefedern als recht sicher angesehen werden können, stellt der handgesponnene Leinengarn eine Vermutung dar. Wir wissen, dass Leinen bereits zuvor verwendet wurde. Für Seide, wie sie im 15. Jahrhundert genutzt wurde, könnte es aber womöglich noch zu früh gewesen sein. Aber auch hier dürfte es bereits regionale Unterschiede gegeben haben. Leinen lässt sich weniger gut färben, dennoch besteht die Möglichkeit, dass auch für diese Pfeile bereits rot gefärbtes Garn zur Anwendung kam.
Die größte Besonderheit ist jedoch das Gemisch, dass diese Pfeile zu einer Frühform der spätmittelalterlichen Verdigris-Mischung macht. Es handelt sich um eine Verbindung aus Bienenwachs und Tierfetten. In diesen Verbund werden die Federn gedrückt und mit dem Faden fixiert. Der Faden drückt sich dabei tief in das Gemisch. Strittig ist das Kupferacetat, das bei späteren Pfeilen nachweisbar ist und den Bereich im bekannten Grünton färbt. Da dies für den Großteil des 14. Jahrhunderts nicht nachweisbar ist, verarbeite ich das Gemisch entweder mit oder ohne diesem.
Jedoch vermute ich, dass erst die Absicht zur Verwendung des Kupferacetats dieses Gemisch entstehen ließ. Im Falle des Schutzes vor mechanischen Schäden eignet sich Birkenpech ebenso hervorragend, zudem lässt es sich leichter verarbeiten. Das Wachs-Fett Gemisch ist mit seiner Konsistenz kein Kleber, sondern meiner Ansicht nach nur das Bindemittel, damit das Kupferacetat aufgetragen werden konnte.
Link: https://pheilsniczer.net/.../allgemeines-14-jahrhundert
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Only recently I presented an interpretation of arrows of the 14th century. Here follows the second part (including older pictures). Not much has changed in the text, only one note I add: these are NOT Mary Rose arrows.
Reconstructing 14th century arrows is proving difficult, as we have no archaeological finds, written sources are silent, and even historical illustrations are of little value. The only exception is the Wilton diptych, created at the end of the century. Therefore, we are in the dark as to what arrows looked like in the 14th century and what materials and raw materials were used. Regional differences, moreover, do not allow us to generalize a "type" of arrow.
So, for the following interpretation, I use the information we have from before and after the 14th century. A variety of different woods are suitable for the shaft, in this case barrelled poplar shafts. The points (by Hector Cole) are equally variable, there are numerous archaeologically confirmed options for this.
The greatest uncertainty is with the fletching. While goose feathers can be considered fairly certain, the hand-spun linen yarn is a guess. We know that linen was used before. However, it might have been too early for silk, as it was used in the 15th century. But there may already have been regional differences. Linen is less dyeable, yet there is a possibility that red dyed yarn was already used for these arrows as well.
However, the greatest peculiarity is the mixture that makes these arrows an early form of the late medieval Verdigris mixture. It is a compound of beeswax and animal fats. The feathers are pressed into this compound and fixed with the thread. In the process, the thread presses deep into the mixture. What is in dispute is the copper acetate, which is detectable on later arrows and gives the fletching area the typical shade of green. Since this is not detectable for most of the 14th century, I process the mixture either with or without it.
However, I suspect that the intention to use the copper acetate allowed this mixture to be developed. In the case of protection against mechanical damage, birch pitch is just as suitable, and it is also easier to work with. The wax-fat mixture with its consistency is not an adhesive, but in my opinion only the binder, so that the copper acetate could be applied.
Link: https://pheilsniczer.net/en/arrows/general-14th-century