25/08/2021
SPHAIR Parakurs F-204
Sieben junge Männer verteilt in der ganzen Schweiz freuen sich auf einen zweiten Sphair-Kurs in Beromünster. Allesamt verfolgen einen gemeinsamen Traum, nämlich die Rekrutenschule als Fallschirmaufklärer zu absolvieren. Diese gewaltige Hürde meistert man aber nicht mit einem Sprung, sondern sie ist in Etappen aufgeteilt. Unser nächstes Ziel ist die Erlangung der zivil anerkannten Fallschirmspringerlizenz im Kurs zwei. Die Motivationsgründe können unterschiedlicher nicht sein, sie reichen von Selbstverwirklichung bis zum Dienst am Vaterland. Jeder hatte sich auf diese zwei Wochen auf seine eigene Art und Weise vorbereitet, denn man weiss, ein Kinderspiel ist es nicht.
Am Montagmorgen ist es so weit. Um zehn Uhr müssen wir beim Flugplatz Beromünster antreten. Da wir schon ungefähr wissen was uns erwarten wird, hält sich die Nervosität in Grenzen. Dennoch ist bei jedem eine gewisse Spannung spürbar. Wir sind erstaunt, dass wir den Kurs nur zu siebt antreten, es bedrückt uns auch ein wenig, da man bekanntlicherweise schwere Situationen in der Gruppe besser meistern kann. Doch davon lassen wir uns nicht klein krie-gen. Für die meisten ist der Flugplatz Beromünster kein Neuland, alle bis auf jemand waren hier schon im Kurs eins. Weil die Routine schon vorhanden ist, brauchen wir auch nicht lange, um mit dem Programm anzufangen.
Am ersten Tag geht es noch nicht in die Luft. Zuerst müssen wir die Verhaltensweisen bei Fehlfunktionen 100 Prozent fehlerfrei abrufen können, bevor wir abheben dürfen. Das Ganze verläuft reibungslos und bei jedem ist die Sicherheit am Schirm gewiss. Nach ein paar Theorielektionen und den Briefings ist es endlich so weit. Am zweiten Tag kommt der Moment, auf den wir alle gewartet haben, bereits am Morgen heben wir zum ersten Mal ab. Glücklicherweise ist das Wetter in der ersten Woche hervorragend, sodass wir am Tag vier bis fünf Mal springen können. Das hat erhebliche Auswirkungen auf unsere Leistung, bei allen sind markante Fort-schritte spürbar. Der Tagesablauf der ersten Woche sieht im ungefähren jeden Tag gleich aus.
Wir stehen auf, machen Morgensport, springen bis zum Mittagessen, springen bis zum Abendessen, je nach dem noch ein Sprung danach, oder sonst lediglich unsere gesammelten striche der Versäumnisse abverdienen und zum Tagesabschluss noch unser Tagebuch führen. Leider müssen wir uns am Donnerstag von Maurus, der nun einen anderen Weg einschlagen wird, verabschieden. Im Gegenzug merkt man immer mehr, wie wichtig uns allen unser Traum des Fallschirmaufklärer ist. Wir zeigen dies in dem wir ehrgeizig, fokussiert, motiviert und durchhaltend an den Tag herangehen. Am Freitag springen manche Springer ihre ersten RWs. Erste Erfahrungen berichten, dass man ein anderes Bewusstsein in der Luft entwickelt, man müsse nun viel präziser sein und all sein Können anwenden, um erfolgreich in Formation zu fallen. Mit dieser neuen Fähigkeit merkt man, dass wir unserem Kursziel sehr nahe sind, was uns mit zusätzlicher Motivation boostet. Obwohl wir sehr Freude am Kurs haben und am liebsten die ganze Zeit weiterspringen würden, freuen wir uns doch, dass wir am Samstagmorgen abtreten und nach dieser fordernden Woche das Wochenende zu Hause verbringen dürfen.
Am Sonntagabend rückten wir erholt von der ersten Woche und mit neuer Energie wieder in die Unterkunft Don Bosco ein. Neben ein paar Sprüngen gab es bereits am Morgen den berüchtigten Parafit-Test. Als Gruppe meisterten wir ihn alle erfolgreich und konnten somit voller Stolz den Abend abrunden. Anschliessend wurden wir vergleichsweise früh entlassen, um uns ordentlich auf die Theorieprüfung vorzubereiten. Obwohl es ein erfolgreicher Tag war, mussten wir uns von einem Kameraden aus gesundheitlichen Gründen verabschieden, was für alle von uns ein Motivationsdämpfer war. Am Dienstag hatten wir noch einen sprungreichen Tag. Danach tobte sich der Kursleiter an unseren Schirmen aus und wir durften diese als Packprüfung entwirren. Am Abend wurden wir erneut früh entlassen, um ein letztes Mal für die Theorieprüfung lernen zu können. Das viele Lernen lohnte sich, denn bereits am Mittwochmorgen konnten alle Kursteilnehmer die Theorieprüfung erfolgreich meistern. Anschliessend zeigten wir unsere sportliche Leistung. Denn der 2. Sporttest stand vor der Tür. Alle von uns konnten mit verbesserter Leistung punkten. Auch das Gespräch mit dem Inspektor verlief für alle mehr oder weniger positiv. Beim Mittagessen waren wir alle sehr erschöpft. Doch konnten wir uns durch ein hervorragendes Essen wieder erholen. Nach dem Essen ging es gleich weiter mit der Planung eines «Injumps». Dabei lernten wir, wie viele Vorbereitungen getroffen werden müssen, um eine Aussenlandung sicher durchzuführen können. Mit anschliessender Besichtigung der Landezone sind wir bestens vorbereitet für unseren ersten «Injump». Nach kurzen Wartungsarbeiten am Rollfeld machten wir uns auf den Weg zu unserem Schwimm-Test. Auch bei diesem Test zeigten wir unser Können von bester Seite und schlossen den Test erfolgreich ab. Müde aber fröhlich machten wir uns auf den Weg zum Flugplatz mit anschliessender Vorbereitung unseres Fallschirmes für den nächsten Tag. Am Donnerstag sprangen wir die letzten 5 Sprünge des Kurses, ausserdem war an diesem Nachmittag der Tag der Angehörigen, bei welchem uns Eltern und Freunde besuchten und sogar etwas zu Essen daliessen. Der krönende Abschluss des Tages und des Kurses stellte der letzte Sprung dar, denn es war der geplante Injump bei welchem wir mit dem Schirm auf einem Hügel landeten und anschliessend grillierten. Alle kamen unversehrt am Boden an und schlussendlich erreichten die verbleibenden fünf alle das Kursziel, nämlich die zivile Sprunglizenz. Anschliessend an folgten die letzten Liegestützen des Kurses und danach konnten wir alle sorgenfrei beim grillieren dem Sonnenuntergang zusehen.
Da wir sehr schnell im Kursprogramm vorankamen und zu diesem Zeitpunkt alle obligatorischen Aufgaben erfüllt hatten, deutete alles auf ein Abtreten am Freitagabend hin. Am Freitagmorgen konnten wir bis um sieben ausschlafen und anschliessend mussten wir nur noch ein paar kleinere Aufgaben erledigen, wie beispielsweise unsere Sprungbücher zu vervollständigen, unser Material aufzuräumen und noch das Abschlussgespräch mit dem Kursleiter, bei welchem er uns ein Feedback zum Kurs gibt. Alles in allem waren es zwei sehr schöne aber anstrengende Wochen, in welchen wir insgesamt 28 mal aus dem Flugzeug sprangen, viel Sport machten und oft auch ein wenig müde waren.