11/06/2024
Künstliche Intelligenz legt die Route fest
Beim Facility-Manager GIG unterstützt künstliche Intelligenz den Außendienst. Das System erstellt nicht nur Touren, sondern bestellt auch Ersatzteile nach. Eine weitere Software hilft bei der Verknüpfung unterschiedlicher Angebote in Quartieren.
Digitalisierung spielt beim Berliner Facility-Manager GIG eine große Rolle. Das zeigt sich zum Beispiel an der Betreiberplattform, die der Dienstleister vor einigen Jahren ausgerollt hat. "Wir wollen das digitalste und innovativste Facility-Management-Unternehmen werden*, betont Gründer und geschäftsführender Gesellschafter Torsten Hannusch. Zum Erreichen dieses Ziels sollen zwei Lösungen beitragen, die in den vergangenen Monaten zur Marktreife gebracht wurden. Eine davon ist eine Plattform, die die Organisation von Multi-User-Arealen erleichtert. Sie richtet sich besonders an Manager von Gewerbeparks mit mehreren Mietern oder von Quartieren mit Gewerbe und Wohnungen.
Entwickelt hat GIG die Software, die sich in der Roll-out-Phase befindet, gemeinsam mit einem Partner. Über sie können zum Beispiel digitale Schlüssel sowie Park- und Mobilitätsangebote verknüpft werden. Es ist aber auch möglich, Tickets für das Facility-Management zu erstellen oder Informationen zum Mietvertrag einzuholen. Organisiert werden können darüber zudem Angebote, die den Komfort der Mitarbeiter verbessern sollen, wie Sportgruppen und Essensworkshops. "Das kann besonders an B-Standorten wichtig sein, um Mitarbeiter zurück aus dem Homeoffice zu locken oder um Talente anzuziehen", erklärt Hannusch. An zwei Standorten sei die Software schon im Einsatz, daneben laufen Gespräche für einen Einsatz in vier weiteren Quartieren.
Insgesamt betreut GIG deutschlandweit rund 500 Gewerbeobjekte, von denen teils mehrere zu Campus-Arealen zusammengefasst sind. Daneben kümmert sich der Dienstleister aber auch um mehr als 200.000 Wohnungen. Und besonders hier wird die zweite, bereits im vergangenen Jahr ausgerollte Software genutzt. Diese hat GIG gemeinsam mit zwei IT-Unternehmen entwickelt, die auf Facility-Management und KI-basierte Routenplanung spezialisiert sind. Diese beiden Aspekte werden kombiniert. Mieter können über eine App Schäden melden und einen Termin vereinbaren. Alternativ besteht die Möglichkeit, einen menschlichen Mitarbeiter anzurufen, der die Termine einträgt. So oder so erstellt das System anschließend mithilfe von künstlicher Intelligenz selbstständig Routen für den Außendienst. Dabei plant es auch automatisch um, wenn jemand krank wird. Außerdem erfasst es, welche Ersatzteile benötigt werden und im jeweiligen Auto vorhanden sind, und bestellt gegebenenfalls selbstständig Nachschub. Dadurch würden weniger oder keine Disponenten mehr benötigt, erklärt Hannusch. Das dadurch frei werdende Personal könne genutzt werden, um weitere Aufträge zu übernehmen. Der Umsatz von GIG wachse im Jahr um etwa 15% bis 20%. Insgesamt verfügt der Dienstleister über gut 500 Mitarbeiter. Knapp 100 davon wurden im vergangenen Jahr eingestellt. "Der Fokus liegt auf Technikern und Ingenieuren*, erklärt Hannusch. GIG, 1998 als Gesellschaft für Integriertes Gebäudemanagement gegründet, agiert zwar als Komplettanbieter.
Infrastrukturelle Leistungen werden aber vor allem an Partnerunternehmen vergeben.
Geschäftsführerin befasst sich mit Wasseranalyse
Light-Industrial-Areale mit mehreren Nutzern aus den Bereichen Pharma, Biotechnologie und Life Sciences sind traditionell ein Schwerpunkt von GIG. Im vergangenen Jahr wurde dieser Bereich noch einmal gestärkt. Denn seit Anfang 2023 ist Lisa Hannusch Geschäftsführerin des Unternehmens. Die Tochter des Gründers ist Physikerin und wurde im Bereich Biotechnologie promoviert. Bei GIG hat sie unter anderem die Verantwortung für die Ressorts Innovation, M&A sowie Energieversorgung und Umwelttechnik übernommen.
Für ihre Dissertation beschäftigte sich Lisa Hannusch unter anderem mit Wasseranalyse und dem Detektieren von Schadstoffen. Dieses Thema spielt bei der Wasserwiederaufbereitung in Immobilien und dem Aufbau einer Kreislaufwirtschaft eine zentrale Rolle. Daneben kann sie aber auch ihr Wissen über Abläufe in Laboren und Forschungseinrichtungen bei GIG nutzen. Denn der Dienstleister muss bei vielen Kunden zum Beispiel darauf achten, dass bei Arbeiten die Vorgaben der "Good Manufacturing Practice" eingehalten werden. Diese sind im Pharma-Bereich wichtig, damit kein Fehler in der Prüfkette entsteht. "Es geht zum Beispiel darum zu wissen, wie man einen Reinraum richtig betritt und welche Geräte man dort einsetzen darf", erklärt Lisa Hannusch.
Torsten Hannusch, der selbst Ingenieur ist, sieht in der Ausbildung seiner Tochter eine gute Ergänzung zu seinen eigenen Kenntnissen. GIG forscht mit einer spezialisierten Abteilung unter anderem an Technologien, die die ESG-Bilanz von Gebäuden verbessern sollen. Hier geht es etwa um CO2-Reduktion, Energiemonitoring und Automatisierung. Dabei arbeitet das Unternehmen auch mit Universitäten zusammen. Ein zentraler Aspekt sei aber immer die Frage, wie man die Entwicklungen "bezahlbar" in die Praxis umsetzen kann, berichtet Torsten Hannusch.
Quelle: Von Florian Hartmüller aus Ausgabe https://www.iz.de/service/epaper/2024-04-25/immobilienzeitung (IZ 17/2024 / Donnerstag, 25. April 2024)