08/12/2021
Faktencheck #2, diesmal als Slide-Show:
Wie wahrscheinlich ist es, dass alle gleichzeitig den Fön einstecken und lösfönen?
Und noch viel wichtiger: Würde das Stromnetz dann zusammenbrechen?
Um es vorweg zu nehmen: Die Wahrscheinlichkeit, dass sich alle Menschen gleichzeitig fönen, ist relativ gering.
Falls das passieren würde, hätten wir ziemlich sicher einen Blackout und das Stromnetz würde zusammenbrechen.
Werden deshalb Vorkehrungen getroffen, um zu verhindern, dass sich alle gleichzeitig fönen?
Im Gegensatz dazu wird beim Ausbau der Ladeinfrastruktur seitens der Netzbetreiber großér Wert auf die Systemstabilität gelegt.
Und das ist auch gut so. Denn die Versorgungsicherheit mit Strom ist zu Recht ein hohes Gut.
Die entscheidende Frage für die Stabilität des Stromsystems ist deshalb auch die Gleichzeitigkeit, mit der die verschiedenen Elektrofahrzeuge laden werden.
Im Teil 2 unserer Serie, in der wir die Mythen und Halbwahrheiten rund um einem Faktencheck unterziehen, beleuchten wir das Thema Systemstabilität.
Fakt ist:
--> PkW`s fahren in Deutschland im Durchschnitt 13.800 km pro Jahr 😊 38 km pro Tag).
--> Die Fahrzeit eines PkW pro Tag beträgt auch bei einem E-Fahrzeug im Durchschnitt weniger als 1 Stunde, die Standzeit somit mehr als 23 Stunden pro Tag.
--> Im Durchschnitt benötigt ein E-Fahrzeug für diese Laufleistung von 38 km / Tag eine Energiemenge von ca. 7,6 kWh (bei Annahme Verbrauch 20 kWh / 100 km)
--> Rein rechnerisch hat das Fahrzeug bei einer 11 kW Ladestation diese Energie in weniger als 1 Stunde geladen. Bei einer 3,7 kW Ladestation in 2 Stunden.
--> Somit fährt das durchschnittliche Elektroauto weniger als 1 Stunde am Tag, lädt zwischen 1-2 Stunden pro Tag, und steht mehr als 20 Stunden am Tag, ohne geladen zu werden.
Wohl gemerkt, alles Durchschnittswerte. Natürlich gibt es je nach Situation, Fahrzeugtyp etc. unterschiedliche Profile.
Und letztlich müssen natürlich auch Leistungsspitzen betrachtet werden, um ggf. kritische Situationen für das Stromnetz vorzubeugen.
Die Frage: Wie wahrscheinlich ist es, dass alle Elektrofahrzeuge gleichzeitig, mit derselben Leistung geladen werden, und auch alle gleich lange geladen werden?
Viele Netzbetreiber unterstellen in Ihrer Netzplanung genau das, und rechnen mit Gleichzeitigkeitsfaktoren von 1.
Das heißt, es wird unterstellt, dass das alles gleichzeitig passiert.
Damit hat Ladeinfrastrutur ein Alleinstellungsmerkmal unter den Stromverbrauchern.
Fazit: Dieser immer noch weitverbreitete Mythos ist genauso (un)wahrscheinlich wie das Ausknipsen der Lichter durch gleichzeitiges Fönen.
Die 20 Stunden, die ein Elektrofahrzeug am Tag im Schnitt nichts tut, sind eine Riesenchance, um durch Elektrofahrzeuge sogar das Netz zu stabilisieren. Technisch geht das heute bereits. Regulatorisch liegt es an uns, dieses Potential zu heben.
Morgen gibt es Mythos #3. Stay tuned!