07/05/2026
ZEIT-Streitgespräch zur Ausbildung im Handwerk
„Ist das Handwerk zu macho?“ überschreibt die ZEIT das Interview-Streitgespräch zwischen Handwerkspräsident Jörg Dittrich und Tischlerin Sophie Renfftlen. Es geht um Verantwortung, berufliche Ausbildung und das Selbstverständnis des Handwerks aus zwei unterschiedlichen Perspektiven, zwischen Kritik an bestehenden Problemen, immer noch vorhandenen Klischees und dem Blick auf das, was viele Betriebe längst leisten.
„Wir haben momentan über 340.000 Auszubildende im Handwerk und eine Million Betriebe. Dass es da auch problematische Ausbildungsverhältnisse gibt, will ich nicht wegdiskutieren. Aber den Tenor, dass es generell so ist, würde ich vehement zurückweisen“, so ZDH-Präsident Dittrich. Er verweist darauf, dass die Handwerkskammern mit Ausbildungsberatern eine wichtige Rolle spielten und junge Menschen im Konfliktfall nicht allein gelassen würden. Gleichzeitig betont er, dass viele Zahlen rund um Ausbildungsabbrüche differenzierter betrachtet werden müssten, da hinter vorzeitigen Vertragslösungen oft ein Wechsel des Betriebs oder des Gewerks stehe.
Entgegen dem Trend in der Gesamtwirtschaft sei im Handwerk die Zahl neuer Ausbildungsverträge im Jahr 2025 zum dritten Mal in Folge wieder gestiegen. Spannend wird es beim Thema Frauen im Handwerk. Zwar entscheiden sich inzwischen deutlich mehr Frauen für Berufe wie Tischlerei, Kfz-Technik oder Elektrotechnik, doch Klischees halten sich hartnäckig. Dittrich erinnert daran, dass Frauen in Westdeutschland bis 1994 gar nicht auf Baustellen arbeiten durften, und dass gesellschaftliche Bilder sich eben nicht über Nacht verändern. Die rote Linie aber liege bei sexistischen Kommentaren: Die seien nicht akzeptabel. Aus seinem eigenen Betrieb kenne er außerdem die positiven Effekte gemischter Teams auf das Arbeitsklima.
Besonders am Herzen liegt Dittrich die Wertschätzung für das Engagement und die Rolle der Ausbildungsbetriebe. Viele junge Menschen brächten heute Defizite mit, die weit über fachliche Themen hinausgingen. Dennoch würden sich zahlreiche Ausbilderinnen und Ausbilder intensiv engagieren, oft weit über die reine Wissensvermittlung hinaus. Eine zusätzliche zentrale Zertifizierungsstelle für gute Ausbildung lehnt er ab, weil aus seiner Sicht bereits bestehende Strukturen der Handwerkskammern dafür zuständig sind und viele Betriebe ihre Standards erfolgreich selbst leben.
Trotz aller Herausforderungen blickt er optimistisch nach vorn: „Handwerk ist soziales Miteinander. Viele Menschen arbeiten in kleinen Firmen, weil sie dieses Familiäre mögen. Das können wir bieten, und das gewinnt an Bedeutung in dieser sinnsuchenden Zeit“, so der Handwerkspräsident.
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