13/02/2018
Ratlos! Was tun?
Nach der Rückkehr vom Auslandseinsatz in Luanda, Angola das Ende der beruflichen Selbständigkeit -die eigentlich keine war, weil man Aufträge meisst nur eingebunden und weisungsgebunden in die Teams der Auftraggeber ausführen kann.
Tolle Präsentation des Projekts in Luanda, in der Nähe von Ludwigshafen. Gute Idee, eine Produktion in Afrika zu bauen. Das schafft Arbeitsplätze dort. Viele Warnungen: Infektionskrankheiten, Gelbfieber und Malaria, Skorpione und andere Besucher auf den Baustellen, Kriminalität und Landminen, Austrocknung und Kreislaufprobleme durch zu wenig trinken bei Hitze. Impfungen, Reiseapotheke und Formalitäten für‘s Arbeitsvisum.
Dann steht man schliesslich zu Dritt in Angola - ohne Schweissgerät das in Mannheim zurück geblieben ist. Ein für diesen Job absolut unfähiger Produktionsleiter, ein sehr fähiger Elektriker und ich, als einziger fachmännischer Schweisser!
Keine Spur von den zugesagten fachmännischen Zuarbeitern, Vorrichtern oder einem Schweissteam! Dafür bekommt man ein zwar freundliches und williges, aber leider völlig unqualifiziertes und undiszipliniertes „Helferteam“ präsentiert; dazu noch unfachmännische Anweisungen von einem überforderten und völlig unqualifizierten Produktionsleiter des deutschen Auftraggebers, der den Tag im gekühlten Büro verbringt und sich vorstellt, dass man 50 km ausserhalb der Stadt, ohne regelmässige Energieversorgung, ohne funktionierende Hilfsmittel wie Stapler oder Hebevorrichtungen, vor Allem aber ohne Pläne der zu erstellenden industriellen Produktionsanlage - dafür mit Videoaufnahmen einer Muster-Produktionslage (irgendwo in USA aufgebaut) ein solches Grossprojekt schon irgendwie durchziehen kann.
Selbst improvisieren ist nicht möglich. Material ist gemäss der imaginären Musteranlage (in USA) bereits zugeschnitten und „sortiert“.
Das schlimmste aber, man war nicht einmal in der Lage, rechtzeitig den Transport meiner durch mich bereits Ausfuhrzollabgefertigten und versiegelten Kisten mit Werzeugen, Material und Schweissgeräten nach Angola und zurück zu organisieren. Man kennt in der deutschen Firma offensichtlich den Unterschied zwischen WIG und MAG-schweissen nicht, glaubt, das könne man schon irgendwie mit vor Ort vorhandenen Geräten und Materialien hinbekommen und meine Ausrüstung bleibt zunächst in Deutschland zurück!
Die Nachlieferung nach Angola und der Import dort dann mehr als chaotisch!
Stundenlang tgl. kein Strom zum schweissen, weil der Produktionsleiter keinen Treibstoff für den Generator besorgt hatte. Mittendrin sind immer wieder die Helfer weg, keine Lust mehr!
Der Produktionsleiter hat keine Ahnung, welches Gefälle die Rohr-Leitungen haben müssen. Chaotische, rechtswidrige Anweisungen (wir sind hier in Afrika, da braucht man sich an so etwas nicht zu halten). Unterbrechung ohne Fertigstellung, weil das Visum abgelaufen und nur in D erneuert werden kann.
Rückkehr nach Deutschland dann auch ohne meine Ausrüstung und Geräte, die, nachdem sie endlich angekommen und zollabgefertigt, nach meiner Abreise irgendwo in Angola in einer Lagerhalle des Auftraggebers des deutschen Unternehmens -offensichtlich zur weiteren Verwendung- „weggepackt“ werden.
Was tun, zurück in Deutschland ohne Geräte? Angola-Auftrag: Ausser Spesen, bisher nichts gewesen. Nicht noch einmal! Vertraglich vereinbarte Abschlagszahlungen: Fehlanzeige und mangels Internet und schlechter Kommunikation keine Kontrolle. Ausflüchte. Dafür die deutschen Kunden wochen- und monatelang vertrösten: Geht gar nicht. Also auch den inzwischen verärgerten Auftraggebern absagen!
Dann der grausige „Unfall“ auf der Rolltreppe im Hauptbahnhof München.
Nun, nach 1 ½ Jahren und einigen Operationen noch immer keine Besserung oder gar Heilung.
Eines steht leider fest: Eine Arbeit wie früher, schweissend in jeder Position, auf Gerüsten, auf Leitern oder in über Kopf in Seil-Hängevorrichtungen, meisst über 12 Stunden in Accord arbeiten, bei jedem Wetter und jeder Temperatur auf Baustellen, Industrieanlagen, in der Produktion oder der TH ist zukünftig mit bleibender Behinderung völlig ausgeschlossen.
Was nun. Mit über 40 Jahren noch eine
Neuorientierung? Fortbildung zum Schweissausbilder unter Opiaten zur Schmerzbekämpfung und nicht in der Lage Auto zu fahren oder Maschinen zu bedienen?
Oder weiter warten, auf Besserung hoffen und inzwischen den Schwerbehinderten-Ausweis und Rente beantragen?