23/01/2017
Kreative Mitgestaltung am eigenen Grabmal
Tod und Sterben bleiben, so unvermeidlich sie auch sind, für viele Menschen immer Tabuthemen. Nicht so für Rudi Grabowski aus Hachenburg, der u.a. seit Jahren Karikaturen für die Westerwälder Zeitung zeichnet. Er setzt sich in wacher Gelassenheit auch mit diesem Teil des menschlichen Daseins auseinander. Und so kam es, dass er sich an uns wandte, um ihm bei der Gestaltung und Ausführung des eigenen Grabmales behilflich zu sein. Lächelnd meinte er, dass er es nicht allein seinen Verwandten und Freunden überlassen wolle, vor seinem Grabmal zu stehen. Rudi Grabowski besucht gern stille Friedhöfe, auch im Urlaub. Sie geben nach seiner Ansicht interessante Auskünfte, vor allem über die noch lebenden Menschen und deren Einstellung zum Gedenken an ihre verstorbenen Angehörigen. Kritisch bewertet er einen Trend zu uniformen Grabsteinen, oft importierte Billigware aus Indien, oder zu anonymen Grabstätten. Aus seiner Sicht geht dadurch eine wertvolle Gedenkkultur verloren. So entstand in ihm der Wunsch, in Abstimmung mit seiner Familie, den eigenen Grabstein schon zu Lebzeiten mitzugestalten und fertigen zu lassen. Rudi Grabowski brachte uns eine Vorstellungs-Skizze mit, aufgrund derer und nach intensiven Gesprächen wir einen Entwurf anfertigten. Als Material wurde ein heller Westerwälder Trachyt gewählt, der in einem Steinbruch bei Weidenhahn gebrochen wird - "eine Gesteinsart aus der Gegend, in der ich erfüllte Lebensjahre verbracht habe und in der ich hoffentlich noch lange bis zum irdischen Ende verbringen darf", so Grabowski. Zur Symbolik des Grabmales: "Als Christ glaube ich daran, dass der körperliche Tod nicht auch das Ende der Seele ist. Die sieben Stufen nach oben sollen ihr schon mal den Weg zeigen." Und augenzwinkernd fügt er hinzu: "Platz genug gibt es ja in diesem wunderbar großen All." Auf der Frontseite der Stele wird sich ein Rabe befinden. "Unter den vielen Mitgeschöpfen auf dieser Erde hatte ich schon immer ein besonders tiefes Verhältnis zu den Rabenvögeln. Vor allem zu den Krähen und Kolkraben." Unterhalb des Raben ist ein Hinweis auf eine dazu passende Bibelstelle im Alten Testament geplant. Unter der Textstelle heißt es im ersten Buch der Könige, Kapitel 17, Vers 4: "Aus dem Bach sollst du trinken und den Raben habe ich befohlen, dass sie dich dort ernähren." Dazu Grabowski: "Besser könnte ich es mir nicht vorstellen."
Wenn das Grabmal fertig ist, soll es auf unserem Ausstellungsgelände in Neuhochstein aufgestellt werden. "Natürlich werde ich zumindest an meinen Geburtstagen dorthin pilgern, um über das, was schon hinter mir liegt, nachzudenken", berichtet der 74-Jährige. Den eigentlichen Zweck wird der Stein, hoffentlich viel später, auf dem Friedhof in Hachenburg erfüllen.
Christian und Rainer Schlemper