18/08/2026
Acht Jahre lang hat sich niemand für Trittins Kugel Eis interessiert. Acht Jahre.
Der Satz fällt im Juli 2004 in einer Pressemitteilung des Umweltministeriums: Die Förderung erneuerbarer Energien koste einen durchschnittlichen Haushalt rund einen Euro im Monat, so viel wie eine Kugel Eis.
Dann passiert: nichts. Nicht in Trittins restlicher Amtszeit. Nicht unter seinem Nachfolger Sigmar Gabriel. Niemand hält ihm das Zitat vor.
Bis zum 21. November 2012. In der Haushaltsdebatte steht FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle am Pult, unmittelbar vor Trittin, und sagt: "Herr Trittin hat bei der Einführung des EEG gesagt: Das kostet jeden Bürger nur eine Eiskugel im Monat. Das ist Arroganz und Ignoranz, die kaum zu überbieten sind."
Ab da läuft der Satz. Heute steht er in fast jeder AfD-Rede gegen Windräder.
Nur: Trittins Zahl stimmte. 2004 kostete die Ökostrom-Förderung 0,54 Cent je Kilowattstunde. Ein Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden zahlte 1,58 Euro im Monat, ein kleiner sparsamer Haushalt rund 90 Cent. Der runde Euro lag am unteren Rand, aber in der richtigen Größenordnung.
Teuer wurde es danach, und zwar aus Gründen, die im Zitat nicht vorkommen. Das Öko-Institut hat den größten Einzelsprung der Umlage aufgeschlüsselt, von 2013 auf 2014: 37 Prozent gingen auf gesunkene Börsenstrompreise zurück, 15 Prozent auf die Befreiung der Industrie. Die Photovoltaik, um die der ganze Streit tobte, steuerte 8 Prozent bei.
Der Höchststand 2017 lag bei 20,07 Euro im Monat. Nach Trittins eigenem Maßstab: rund zwanzig Kugeln Eis. Nicht 222, wie ein CDU-Abgeordneter 2016 im Bundestag vorrechnete. Und ganz sicher kein Eiswagen.
Seit dem 1. Juli 2022 steht die EEG-Umlage bei null. Anfang 2023 wurde sie abgeschafft. Wer heute mit der Kugel Eis gegen die Energiewende argumentiert, streitet über eine Abgabe, die es seit vier Jahren nicht mehr gibt.
Und die Sache, die gemessen wurde, ist billiger geworden, während der Maßstab teurer wurde. Die Kugel kostet im Schnitt 1,92 Euro statt 50 bis 70 Cent. Solarstrom bekam in der Ausschreibung vom März 2026 im Schnitt 4,94 Cent je Kilowattstunde. Das ist ein Neuntel dessen, was das EEG 2004 garantierte.
Trittin trägt Mitverantwortung, aber eine andere als die, die ihm zugeschrieben wird: die zu schwache Absenkung der Solarvergütung und die Industrieausnahme, die er selbst eingeführt hat. Nicht die, dass Solarstrom teuer geblieben wäre. Er wurde neunmal billiger.
Drei Fragen für das nächste Mal, wenn jemand die Kugel Eis auspackt: Worauf bezog sich der Euro? Wer hat den Kreis der Zahler verkleinert? Und wie hoch ist die EEG-Umlage heute?
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