22/04/2023
Ein paar Gedanken und Fragen zum aktuellen Thema Wärmewende..
1) aufgrund der exorbitant angestiegenen, hohen Nachfrage nach herkömmlichen Gas- und Ölheizungen hat sich die Lieferzeit auf teilweise 8 Monate (!!!) verlängert. Wenn unser Kunde HEUTE den Auftrag unterschreibt, der Ölkessel aber erst im nächsten Jahr geliefert werden würde: Einbau erlaubt oder nicht ?
2) nehmen wir mal an, der 79jährigen Erna Müller geht nächstes Jahr im Winter ihre Öl- oder Gasheizung irreparabel kaputt. Macht unser Unternehmen sich dann strafbar, wenn wir eine Ölheizung einbauen oder weil wir die Frau ggf. erfrieren lassen ? Laut Gesetzesentwurf gilt der Härtefall ja erst ab 80 - und wird es dann überhaupt noch herkömmliche Ölkessel geben ?
3) ist der Strom ausreichend verlegt/ausgebaut, um ggf. in jedem Haushalt eine Wärmepumpe einzubauen, wenn in derselben Straße schon jeder eine Wallbox für sein E-Auto nutzt und ggf. keine PV-Anlage vorhanden ist ? Das Thema hatten wir schon in einem Neubaugebiet….da wurde aus „Strommangel“ eine weitere Wärmepumpe abgelehnt.
4) hat sich mal jemand Gedanken gemacht, dass im Moment weniger die Fachkräfte, aber dafür die Lieferzeiten ein großes Problem sind und noch viel mehr werden ? Was sollen wir einbauen, wenn nichts mehr lieferbar ist ? Oder ist für dieses Thema das Bundesministerium für Arbeit zuständig, wenn die Kurzarbeit in absehbarer Zeit vor der Tür steht ?
5) die neuen Gasheizungen sind „wasserstoffready“ - wo ist der Wasserstoff ? Wie weit ist hier die Infrastruktur ? Dauert das vielleicht was länger oder ist das auch alles toll und schön zum 01.01.24 ?
6) die neuen Fördermöglichkeiten sind ja bestimmt was Feines, ABER wenn keine Kessel oder Wärmepumpen verfügbar ist, was soll dann gefördert werden ? Zur Erinnerung: Lieferzeit bei Wärmepumpen ca. 12-18 Monate (!!!)
7) viele, deren Heizung jetzt in die Jahre gekommen ist, sind meistens Hausbesitzer, die ihr Leben lang gespart und ihr Haus abbezahlt haben oder noch dabei sind. Jetzt im oder vielleicht kurz vor dem Rentenalter denkt man nach dem Abbezahlen des Darlehens, sich mal was zu gönnen: eine schöne Reise oder vielleicht ein Wohnmobil? Leider geht das ersparte Geld dann für eine neue Wärmepumpe incl. dafür notwendiger, umfassender, energetischer Sanierungsmaßnahmen drauf. Denn wer bekommt über 60 oder älter denn noch einen „Förderkredit für den Heizungsaustausch“ ? Zumal von der meist kleinen Rente für die Rückzahlungsrate vermutlich nicht viel übrig bleiben dürfte. Die Strom- oder Gasrechnung ist ja auch noch zu zahlen….
In Ihrer Pressemitteilung steht, dass die Förderung „bürokratiearm“ erfolgen wird. Sorry, aber über diese Brücke gehe ich noch nicht. Erfahrungsgemäß wird das wieder in einem Papierkrieg ausarten und endlos dauern… es war leider schon immer so. Hier könnte endlich mal bewiesen werden, dass es anders geht !!!
Zitiert wird in der Pressemitteilung auch Bundesbauministerin Geywitz: „Wichtig ist, dass wir dabei die Kapazitäten der Gerätehersteller und der Handwerker im Blick behalten. Damit eine Überforderung und Preisüberhitzung am Markt verhindert wird, (…).“
Hat mal ernsthaft jemand von der Regierung bei den Herstellern und/oder dem Handwerk nachgefragt oder ist die Lobby dafür zu klein ?
Während Corona war es der Halbleitermangel und wir haben Kessel ohne Regelungen bekommen, Standardpumpen hatten Lieferzeit - aber jetzt bekommen wir fast nichts kurzfristig.
Es wäre schön, wenn sich diese Fragen schnell beantworten lassen würden…
Vielen Dank !
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P.S.: bei Kommentaren bitte ich sachlich zu bleiben, auch wenn es schwerfällt….