25/04/2026
Heute Samstag hatte ich eine Videokonferenz mit einem Kunden – wir haben unter anderem über massive Hölzer und ihre "Atmungsaktivität" geredet.
Danach wollte ich das Ganze aber nochmal genauer unter die Lupe nehmen: Was passiert da eigentlich physikalisch im Holz? Atmet es wirklich, und was meint man überhaupt damit? Und ist das Gefühl, dass Holz als Einrichtungsmaterial irgendwie besonders ist – ist das nur Einbildung, oder steckt da wirklich was dahinter?
Also...los geht's...
WARUM FÜHLT MAN SICH IN EINEM MASSIVHOLZ- ODER BLOCKHAUS WOHLER – ATMET ES WIRKLICH, ODER IST DAS ALLES NUR EINBILDUNG?
Ehrlich gesagt lautet die Antwort auf beide Fragen: Jein. Im Marketing spricht man gerne davon, dass Holz „atmet" – gemeint ist damit aber eigentlich, dass Holz Feuchtigkeit und Temperatur ausgleicht. Aber ist das angenehme Gefühl bei Holz vielleicht einfach nur Kopfsache?
Diese drei Fragen beantworte ich in drei Beiträgen – den Anfang macht das Thema „Holz atmet".
ATMET MASSIVHOLZ ALSO WIRKLICH?
In der Praxis – und auch in der Theorie – „atmet" eine Massivholzwand nicht in dem Sinne, dass Luft einfach durch sie hindurchströmt. Was Holz jedoch kann: Seine Oberfläche nimmt Feuchtigkeit aus der Umgebung auf und gibt sie wieder ab. Das ist eine gut belegte, wissenschaftlich dokumentierte Eigenschaft.
In Massivholz passieren drei physikalische Dinge:
1. Feuchtigkeitsregulierung (Hygroskopizität)
Holz ist ein hygroskopisches Material – es nimmt Wasserdampf aus der Luft auf und gibt ihn bei sinkender Luftfeuchtigkeit wieder ab. Das dämpft Schwankungen der Raumluftfeuchtigkeit spürbar.
2. Gasdurchlässigkeit
Luft oder Gase lässt eine Holzwand als Baustoff kaum durch. Sie „atmet" also nicht im wörtlichen Sinne. Die Belüftung eines Gebäudes muss technisch über eine Lüftungsanlage sichergestellt werden.
3. Diffusion
Wasserdampf kann durch Holz diffundieren – allerdings sehr langsam. Das spielt eine Rolle für die Feuchtigkeitstechnik des Gebäudes (Schimmel- und Fäulnisrisiken), hat aber kaum Einfluss auf die Innenraumluft. Wichtig dabei: Die Richtung macht einen Unterschied – entlang der Holzfaser läuft die Diffusion deutlich schneller als quer dazu.
Besteht ein Massivholzelement aus mehreren kreuzweise Schichten, wird das Ganze erheblich komplizierter. Die unterschiedlichen Schichtrichtungen stören den natürlichen Wasserdampffluss.
WAS SAGT DIE FORSCHUNG?
Studien aus der Bauphysik – etwa vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik und vom VTT Technical Research Centre of Finland – zeigen:
• Massivholz (z. B. Blockholz) kann die relative Luftfeuchtigkeit im Innenraum deutlich ausgleichen.
• Das verbessert das subjektive Raumklima – ersetzt aber keine Lüftungsanlage.
• Der Effekt hängt von der sichtbaren Holzoberfläche ab: je mehr, desto stärker.
„Atmen" ist also ein reiner Marketingbegriff – ähnlich wie wenn ein Sauerteigbäcker behauptet, ohne Hefe zu backen, obwohl Sauerteig von Natur aus Hefe enthält. Das schmälert den Wert von Holz aber kein bisschen. Wie Holz unser Wohlbefinden beeinflusst, schauen wir uns in den nächsten Beiträgen an.