10/05/2023
"Wenn der deutsche Werkzeugbau nicht aufpasst, geht er über die Wupper."
Das ist quasi die Zusammenfassung der Gespräche auf der KuTeNo gewesen. Woran liegt das?
Es werden verschiedene Techniken einfach nicht genutzt. Simulation, Sensorik und konturnahe Temperierung bieten das meiste Potential.
Dabei stellt die konturnahe Temperierung die Möglichkeit dar, die am einfachsten umzusetzen ist. Einbauen und fertig. Mehr braucht man nicht. Außer die Wartung am Ende. Und ich bin nicht der Meinung, dass die Neukunden langsam ran geführt werden müssen. Es müssen direkt alle Vorteile mitgenommen werden, weil der Preis sich nicht ändert. Aber der Einsatz amortisiert sich so schneller.
Bei Sensorik und Simulation sieht es anders aus. Hier brauche ich jeweils eine gewisse Vorbereitung und ein Grundwissen. Was können die Sensoren und was kann die Simulation? Natürlich kann man beides getrennt betrachten, aber warum sollte man? Dann gehen damit auch die weiteren Vorteile flöten. Wenn aus der Simulation die ideale Position des Sensors klar wird und welche Messwerte zu erwarten sind, wird es später in der Musterung des Werkzeugs leichter und schneller und ich erhalte die Validierung der Simulation. Sie wird dann so präziser und am Ende wird das Werkzeug günstiger. Warum diese Vorteile liegen lassen? Natürlich wird dafür Wissen benötigt, was ich auch vermittele. Entweder in der aufgezeichneten Schulung oder Präsenzschulung. Auch an eigenen Projekten, damit das Wissen möglichst gut vermittelt werden kann und auch wieder aufgefrischt werden kann.
Und einen wichtigen finalen Punkt gibt es noch. Der kam aus dem letzten Gespräch mit Hein heraus. Anstatt gegeneinander zu arbeiten, sollte miteinander gearbeitet werden. Der Druck aus dem Ausland ist hoch. Sehr hoch. Und wenn weiter Energie damit vergeudet wird sein eigenes Süppchen zu kochen, fehlt diese Energie an den wichtigen Stellen. Ja, Werkzeugbau A geht den ersten Schritt in einem Bereich und sammelt wichtige Erfahrungen. Werkzeugbau B kann davon profitieren und steckt die Energie in einen anderen Bereich rein, wovon Werkzeugbau A und C wieder profitieren, weil Unternehmen C nochmal andere Erfahrungen beiträgt. Das geht sogar sehr gut, wenn die Werkzeugbauer unterschiedliche Branchen bedienen und de facto keine Konkurrenten sind oder werden.
Und der wichtigste Punkt von allen: Viele Werkzeugbauer sind in der Schockstarre und wissen nicht, was sie tun sollen. Die Entscheidungen werden entweder gar nicht mehr getroffen oder nur zögerlich, wenn was Neues gemacht werden soll. Da bleibt man lieber beim Altbewährten und lässt sich abhängen. Das macht die Situation nicht besser.
Mir fallen da spontan ein paar Ideen ein, wie das besser werden kann. Die muss ich aber noch mit ein paar Leuten besprechen, ob sie dabei sein wollen oder nicht. Das braucht noch etwas Zeit.