07/08/2026
Beinahe 12.000 Hitzetote in Deutschland: Bayerische Ingenieurekammer-Bau ruft zum Handeln auf
Die aktuelle Hitze- und Dürreperiode unterstreicht die Notwendigkeit verstärkter Klimaanpassungsmaßnahmen. Das RKI Robert Koch-Institut geht laut Mitteilung vom 6. August 2026 von rund 11.900 hitzebedingten Sterbefällen aus. Damit ist eine neue Stufe der Risikobewertung im Hinblick auf das Schutzgut Mensch erreicht, nämlich die höchste Stufe: das Schadenausmaß ‘E: katastrophal‘ mit mehr als 10.000 Toten. Das heißt, dass sofortiges Handeln erforderlich ist. Nach der Schweizer Risikoquantifizierung müssten umgehend mindestens 120 Milliarden Euro in Hitzeschutzmaßnahmen in Deutschland investiert werden.
Massive volkswirtschaftliche Schäden
Gleichzeitig entstehen dadurch volkswirtschaftliche Schäden ungeahnten Ausmaßes in Deutschland und in Europa, die erst in den kommenden Monaten beziffert werden können. Gesundheitseinbußen und Einschränkungen der Leistungsfähigkeit von Menschen, Ernteausfälle, Wasserknappheit, Dürre, Waldbrände, Lieferketten brechen ein, weil Schiffe kein Wasser mehr unterm Bug haben, Anrainerstaaten müssen Atomkraftwerke abschalten, Industrien müssen deshalb Produktionen einschränken usw.
All das kommt nicht urplötzlich. Schon im Jahr 1973 hat der erste Bericht des Club of Rome auf diese Gefahren hingewiesen.
„Die Bayerische Ingenieurekammer-Bau hat bereits im Jahr 2016 ein Verbändebündnis für wassersensibles Planen und Bauen initiiert. Seitdem wurden immer wieder Vorschläge zum klimaangepassten Bauen gemacht, die den Medien, der Öffentlichkeit und der Politik zur Verfügung gestellt wurden. Wir als Ingenieurinnen und Ingenieure gestalten unsere Umwelt baulich. Die jetzigen klimabedingten Herausforderungen müssen wir gemeinsam gesamtgesellschaftlich angehen. Eine höhere Eskalationsstufe als ‘E katastrophal‘ sieht die deutsche Risikobewertung nicht vor. Handeln wir jetzt gemeinsam, damit wir unsere Menschen und unsere Wirtschaft schützen“, sagt Prof. Dr. Norbert Gebbeken, Präsident der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau und Gründer des Forschungszentrums RISK (Risiko, Infrastruktur, Sicherheit und Konflikte) an der Universität der Bundeswehr München.
Fast 1.300 Hitzetote allein in Bayern
Die derzeit andauernde Hitze- und Dürreperiode mit beinahe 1.300 Hitzetoten allein in Bayern unterstreicht die Notwendigkeit verstärkter Klimaanpassungsmaßnahmen. Vor allem in stark versiegelten Ballungsräumen mit enger Bebauung können sich sogenannte Urban Heat Islands (urbane Hitzeinseln) bilden.
Diese können gesundheitliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen, vor allem für besonders sensible Bevölkerungsgruppen wie Kranke, Senioren oder Kleinkinder. Die Zahl der Todesfälle durch Naturgefahren zeigt, dass Hitzewellen mit mehreren Tausend Opfern pro Jahr mit Abstand die meisten Todesfälle fordern.
Prof. Norbert Gebbeken betont: „Die Hitze ist inzwischen in Deutschland die größte Todesgefahr unter den Naturgefahren. Wenn wir der Versiegelung der Städte nicht Einhalt gebieten, wird das Hitzeproblem gerade in den Ballungsräumen immer massiver und tausende Hitzetote werden traurige ‚Normalität‘. Wir benötigen dringend mehr grün-blaue Infrastruktur in den urbanen Räumen, damit sie sich nicht so aufheizen. Dazu gehört auch die Entsiegelung von Flächen. Denn jeder versiegelte Quadratmeter verhindert die so dringend notwendige Stärkung blau-grüner Infrastruktur.“
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