11/06/2020
Die Krise fordert uns alle!
Was für eine verrückte und anstrengende Zeit. Das produzierende Gewerbe verzeichnet teils große Umsatzrückgänge. Die Dienstleistungsbranche, der wir auch seit 17 Jahren angehören, beklagt massive Umsatzeinbrüche - sogar bis hin zu totalen Umsatzausfällen. Ja, total heißt in diesem Fall tatsächlich "Null-Umsatz“.
Und dabei stellen sich große Fragen: „Wie lange geht das noch so weiter?“; "Springt die Wirtschaft wieder an - und vor allem wann?“; "Halte ich/halten wir das solange aus?“; "Wie soll und kann es weitergehen?“. Zermürbende Fragen!
Ich freue mich über jeden, der aktuell Umsatz generieren kann und gönne ihm diesen. Ich habe nichts davon, wenn mein Kollege auch kaum oder wenig Umsatz macht.
Was mich allerdings stört, ist die SPAM-artige Überflutung von Menschen, die mir in dieser Zeit sagen wollen, wie wir/ich online Kunden gewinnen können/kann. Und sie präsentieren sich mit unglaublichen Zahlen beratener Unternehmen und Seminarteilnehmern, die dank ihrer Konzepte erfolgreich geworden sind. Addiert man alle sog. Referenzzahlen aller aktueller vermeintlicher Online-Vertriebsoptimierungs/-positionierungs-Experten einmal zusammen, wird man vermutlich feststellen, dass es so viele Unternehmen und Berater in D-A-CH gar nicht gibt. Aber in der eigenen Not kann man auf diese Dampfplauderer ("Wir zeigen dir, wie du innerhalb kürzester Zeit...") durchaus hereinfallen. Der Büchermarkt wird seit den 70er überschwemmt mit Büchern zur Verkaufspsychologie. Dann werden Menschen zu normalen Zeiten in Stadthallen gelockt, um sich von vertriebsorientierten Tschakka-Gesängen motivieren zu lassen - und jetzt noch das.
Manche dieser Anbieter beherrschen es perfekt, sich dabei entsprechend in Szene zu setzen: Da ist dann im Video-Hintergrund aus dem Hotelfenster die Skyline von Dubai zu sehen, oder Luxusartikel werden gezielt gezeigt. Auf diese Art und Weise wird Erfolg suggeriert und ein Bedürfnis geweckt: Wie schön wäre es doch, wenn deren Tipps zum eigenen Erfolg führen würden. Hierin zu investieren muss jeder selbst für sich entscheiden.
Dennoch zurück zu den Fragen: Was können wir tun? Antwort: Das, was ein Unternehmer tun muss!
1. Auf die Liquidität schauen und alles zur Liquiditätsicherung tun.
2. Auf den Markt schauen und Szenarien entwerfen, wie sich dieser für das eigene Geschäftsmodell entwickeln könnte (Best Case - Worst Case)
3. Die grundsätzlichen Erfolgsaussichten des eigenen Geschäftsmodells auf dieser Basis bewerten.
4. Das eigene Durchhaltevermögen kritisch bewerten.
5. Und dann eine Entscheidung treffen: Aushalten, grundlegend verändern oder aussteigen.
Egal, welche Entscheidung es sein wird: Sie erfordert Mut!
Die Dienstleistungsbranche wird sich in den kommenden drei Jahren verändern. Unternehmen werden verstärkt genau in diesem Sektor sparen. Sie werden in Zukunft das selber tun, was sie selber leisten können. Und Luxus wird ersteinmal zum Fremdwort. Moderne trendbehaftete Führungskräfte- u. Kulturprogramme werden längerfristig dem Rotstift zum Opfer fallen. Eine Chance für Dienstleister auch weiter gebraucht zu werden besteht bei Fachthemen, die für das Unternehmen existentiell notwendig sind und deren Überleben mit absichern. Aber hier kommt es auf Qualität an. Wer die in der Vergangenheit nicht geliefert hat, fliegt und wird ersetzt.
Die Nachfrage nach Beratungsleistungen im Mittelstand wird zurückgehen und gleichzeitig steigt die Anzahl der Berater, die Online-Beratung und Online-Positionierungsberatung für ihre Kollegen anbieten. Ich bezweifle, dass dieses Modell funktioniert.