15/10/2025
40 Jahre TST!
Hier im Sonnendorf Schönau gab es anlässlich des 40-jährigen Firmenjubiläums reichlich Grund zur Freude. Vor vier Jahrzehnten legte Gründer und Inhaber Thom Setzermann als früher Wegbereiter der Photovoltaik den Grundstein für sein Unternehmen. Zur Feier begrüßte er den Autor, Fernseh-Ikonen und Klimaexperten Franz Alt als besonderen Gast.
Setzermann zeichnete in seinem Rückblick den Weg seines Lebenswerks nach – begonnen in einem kleinen Büro mit angeschlossener Garage. Früh erkannte er die Chancen des Internets und bot als Erster in der Region eine Website an, über die Kunden PV-Module und Zubehör direkt bestellen konnten.
Der Weg war nicht frei von Rückschlägen. Politische Weichenstellungen führten 2011/12 zu einem harten Einbruch in der Solarbranche; rund 70.000 Arbeitsplätze gingen verloren. Setzermann blieb dennoch dran, weitete sein Portfolio aus – und die Firma fand zurück auf Wachstumskurs. 2023 rief er die „Arche Umwelt Stiftung“ ins Leben. Deren Ziel: nachhaltige Landwirtschaft stärken, Aufforstung fördern und Betriebe bei der ökologischen Umstellung unterstützen.
Im Anschluss beleuchteten mehrere Referentinnen und Referenten aktuelle Umweltfragen aus unterschiedlichen Blickwinkeln:
Alexander Bicsanczyk ordnete die Klimakrise ein und stellte Kosten fossiler Energien den Erneuerbaren gegenüber.
Hydrologe Johannes Mitterer erklärte die Prinzipien der Agroforstwirtschaft.
Projektmanager Marcel Krause informierte über die „Öko-Modellregion Rottal-Inn“.
Franz Prinz vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten berichtete von seinem eigenen Weg zur ökologischen Betriebsumstellung.
MdL Mia Goller rief dazu auf, Umwelt- und Gemeinwohlgedanken gemeinsam zu stärken.
Franz Alt: „Wir haben den Klimawandel bisher verbockt“
Der Höhepunkt des Tages war der Vortrag von Franz Alt unter dem Titel „Lust auf Zukunft“. Der vielfach ausgezeichnete Journalist und renommierte Klimaexperte war bereits zum vierten Mal im Sonnendorf zu Gast. Mit großer Leidenschaft sprach er über erneuerbare Energien und Elektromobilität und stellte eine grundsätzliche Frage: „Wenn wir die Zeitung aufschlagen, lesen wir fast nur von Katastrophen – wer ist verantwortlich: Gott, die Medien oder wir?“ Lernen und Umdenken seien der Sinn unseres Tuns, so Alt. Fossile Ressourcen schwinden, und „bisher haben wir den Klimawandel verbockt“. Dabei strahle die Sonne 15.000-mal mehr Energie zur Erde, als wir benötigen. „Wir haben kein Energieproblem, sondern ein Brett vor der Sonne.“ Die nötige Infrastruktur koste anfangs, mache Energie später aber unschlagbar günstig.
China habe in den vergangenen Jahren mehr Wind- und PV-Leistung aufgebaut als der Rest der Welt zusammen, sagte Alt. Europa erlebe zugleich die stärkste Erwärmung, und der CO₂-Anstieg sei in den letzten 450.000 Jahren beispiellos. Ohne konsequenten Klimaschutz drohe menschliches Leid in kaum vorstellbarem Ausmaß – und Europa bliebe davon nicht verschont. Der Preis des Nichthandelns sei höher als der rechtzeitige Umbau. Zugleich zeige die Evolution Auswege: Alt präsentierte positive Beispiele von PV- und Windprojekten weltweit, darunter hoch aufgeständerte Freiflächenanlagen, die Landwirtschaft darunter ermöglichen – ein Modell mit Zukunft. Deutschland besitze exzellente Forschung, „doch es hapert an der Umsetzung“. Als politisch wegweisend nannte er das Erneuerbare-Energien-Gesetz, das inzwischen rund 70 Länder übernommen hätten. Bei ernsthaftem Willen sei der vollständige Umstieg bis etwa 2035/204 erreichbar.
„Wer morgen Erfolg haben will, darf nicht am Erfolgsmodell von gestern festhalten“, resümierte Alt. Nur so könne man einem Neugeborenen glaubhaft sagen: „Deine Zukunft kann besser werden.“ Nach seinem Vortrag stand er für Fragen zur Verfügung und signierte Bücher.
Die Jubiläumsveranstaltung „Sonnenschätze“ bot neben inhaltlicher Tiefe auch ein breites Rahmenprogramm für alle Generationen: Öltasting, Kunstausstellung, Entspannung im Yogaraum sowie ein Floh-, Kunst- und Handwerksmarkt. Eine Reggae-Liveband sorgte für Stimmung. Der Elternbeirat des Kindergartens Schönau nahm an einem Kuchenstand 637 Euro ein; Thom Setzermann stockte die Summe auf 800 Euro auf.