27/10/2025
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Indonesische Azubis bringen frischen Wind auf die Baustelle
Nach enttäuschenden Erfahrungen mit deutschen Lehrlingen setzt das Unternehmen Rosenberger Bau aus Villingen auf Azubis aus Indonesien – die alle Erwartungen übertreffen.
Nach einer Reihe unmotivierter Lehrlinge, die oftmals nicht einmal die Ausbildung abschlossen, sind seit Anfang September drei Auszubildende aus Indonesien im Unternehmen Rosenberger Bau in Villingen angestellt. Wie sie sich im Alltag schlagen – wir haben nachgefragt.
„Ich könnte ein Buch schreiben von deutschen Lehrlingen“, erklärt Geschäftsführer Bernhard Rosenberger im Konferenzraum der Rosenberger Bau GmbH in Villingen im Gespräch mit unserer Redaktion.
Vorwiegend schlechte Erfahrungen haben er und sein Ausbilder Michael Flöß mit Deutschen und in Deutschland aufgewachsenen Azubis gemacht. Anstatt auf der Baustelle zu arbeiten, säßen diese beispielsweise auf dem Dixie am Handy, das ansonsten auf der Baustelle nicht gerngesehen ist, berichtet der Geschäftsführer.
Es fehle an Respekt und Zuverlässigkeit, meint Flöß und fügt hinzu: „Die kleinsten Tugenden sind oft verloren gegangen.“ Von klein auf anzufangen – mit einer Ausbildung – sei auch nicht mehr so gefragt.
Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg
Ein bekannter Metzger habe Rosenberger erzählt, dass er Auszubildende aus Indonesien beschäftige – mit denen es gut laufe, meint der Geschäftsführer. „Wir haben uns dann auch dafür entschieden“, erklärt Flöß.
Fünf Kandidaten seien ihnen von der Wirtschaftsförderung Schwarzwald-Baar-Heuberg vorgeschlagen worden und nach einem Skype-Kennenlernen habe man sich für den 22-jährigen Muhammad Yafi Dwikananda, den 22-jährigen Yudha Setyawan und den 20-jährigen Muhammad Rajid entschieden, erläutert der Ausbilder.
Das Förderungsprogramm habe sich auch um alles weitere gekümmert – von den Flügen, über die Wohnung bis hin zum Handy für die Auszubildenden, meint er. Anfang September war es dann soweit und die drei jungen Indonesier begannen ihre Ausbildung als Beton- und Stahlbetonbauer bei der Firma Rosenberger.
Einige Anfangsschwierigkeiten in der Ausbildung
In dem Unternehmen mit 80 Mitarbeitern seien die drei nach zwei knappen Monaten schon gut angekommen, meint Flöß. An der Berufsschule, in einer Klasse von 13 jungen Arbeitskräften, seien sie notenmäßig bereits die Besten, berichtet Rosenberger.
Auf der Baustelle klappe es nach einigen Anfangsschwierigkeiten ebenfalls gut, so Flöß. Obwohl die Indonesier schon auf einem guten Niveau deutsch sprechen, gebe es hier noch die ein oder anderen Verständigungsprobleme.
„Am Anfang habe ich viel falsch verstanden“, meint Dwikananda. Aber nun werde die Kommunikation mit den Kollegen immer besser, fügt Setyawan hinzu.
Unternehmungslustig seien die neuen Auszubildenden auch, meint Flöß. „Sie haben schon mehr deutsche Städte gesehen als ich“, meint er lachend.
Am vergangenen Wochenende seien sie auf dem „Oktoberfest in Stuttgart“ – auf dem Wasen – gewesen, berichtet Setyawan begeistert. Auch sonst gefalle ihnen Deutschland und der Schwarzwald-Baar-Kreis ausgesprochen gut.
Die Motivation nach Deutschland zu kommen
Von Freunden aus Indonesien, die bereits in Deutschland – unter anderem auch in Gütenbach – arbeiten, habe Setyawan nur Gutes von dem Land erfahren. Das habe seinen Entschluss gestärkt, ebenfalls die lange Reise auf sich zu nehmen und die dreijährige Lehre in Villingen anzutreten.
Dwikananda habe schon immer Interesse an dem Beruf des Beton- und Stahlbetonbauer gehabt, sagt er. Er habe sich YouTube-Videos angeschaut und bereits in Indonesien versucht, so viel wie möglich zu lernen. Als ihm dann die Chance geboten wurde, nach Deutschland zu kommen, habe er sie sofort ergriffen.
Das Leben in Indonesien sei herausfordernd, erklärt Setyawan – nicht nur Arbeit zu finden, sondern auch in vielen anderen Lebensbereichen. In Deutschland gebe es hingegen viel mehr Möglichkeiten, meint der 22-Jährige.
Das unterwürzte deutsche Essen
Ein Minuspunkt habe Deutschland allerdings, stellt Rajid fest. „Das Essen schmeckt uns noch nicht so“, meint er lachend. Es gebe zu wenig Gewürze, fügt Setyawan hinzu. „Wir kochen selbst Zuhause“, meint Rajid.
Über das unterwürzte deutsche Essen können sie allerdings hinwegsehen – für Dwikananda, Setyawan und Rajid ist klar, sie wollen unbedingt in Deutschland bleiben und sich hier eine Karriere und ein Leben aufbauen. Rosenberger und Flöß wollen sie in ihrem Wunsch unterstützen.
Zudem plane das Unternehmen, im nächsten Jahr gleich fünf weitere motivierte Lehrlinge aus Indonesien anzustellen, erklärt der Geschäftsführer.